Tagung zum 25-jährigen Jubiläum von prometheus

Out of Frame – 25 Jahre prometheus zwischen Struktur und Vision

30.09.–2.10.2026, InnoDom Cologne, Weyertal 109, 50931 Köln

Vor 25 Jahren entwickelten wir die Idee von prometheus und starteten ein Jahr später am 1. April 2001 das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung & Lehre in der Kunstgeschichte und weiteren bildbasierten Disziplinen. Seit dieser Zeit hat prometheus die Transformation der Geisteswissenschaften im Hinblick auf technologische Entwicklungen aktiv begleitet und Veränderungsprozesse durch lebendige Impulse in der Community vorangetrieben und mitgestaltet. Die regelmäßigen prometheus-Tagungen waren stets ein Treffpunkt für visionäre Beiträge und richtungsweisende Diskussionen. Diese trieben nicht nur die innovative Weiterentwicklung des Bildarchivs voran, sie stärkten auch das Netzwerk der prometheus-Gemeinschaft und machten prometheus zu einem wichtigen Akteur im Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur für materielle und immaterielle Kulturgüter.

Auf unserer Tagung zum 25-jährigen Jubiläum wollen wir unter dem Titel „Out of Frame – 25 Jahre prometheus zwischen Struktur und Vision” vom 30. September bis 2. Oktober 2026 mit Stolz und Freude kurz innehalten und zurückschauen, um schließlich Fragen rund um die Transformation der Geisteswissenschaften im Kontext der technologischen Entwicklungen zu stellen. Welche Vision einer bildbasierten Forschung haben wir? In welche Richtung sollte und muss prometheus sich weiterentwickeln? Was müssen wir heute angesichts eines disruptiven Wandels durch generative künstliche Intelligenz an den geisteswissenschaftlichen Institutionen verändern, wenn sie auch in Zukunft relevant bleiben sollen?

Wir laden ein zu „Out of Frame”, um mit Euch und Ihnen diese Fragen zu diskutieren, uns zu vernetzen und miteinander heute Strukturen für morgen zu verändern.

SAVE THE DATE und feiert mit uns den 25. Geburtstag von prometheus in Köln.

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Programm

30. September 2026

19:00 Uhr Keynote von Björn Ommer (LMU München)
danach Empfang

1. Oktober 2026

09:00 Uhr Begrüßung und Einführung
09:30–11:00 Uhr SEKTION 1: Forschungsdaten (Moderation: Lisa Dieckmann, Universität zu Köln)
In der Sektion ‘Forschungsdaten sollen unter dem Tagungsmotto ’Out of frame’ Perspektivwechsel vorgenommen und jene Aspekte sichtbar gemacht werden, die eher selten im Fokus stehen. Metadatenmodelle entscheiden, was beschreibbar, auffindbar und damit auch wissenschaftlich relevant wird. Eine gezielte Anreicherung von Metadaten, etwa durch semantische Verknüpfungen oder Normdaten, kann diesen Rahmen erweitern, Forschungsdaten kontextualisieren und die Zugänglichkeit und Auffindbarkeit verbessern. Dies sollte nicht nur ausschließlich durch Institutionen geschehen, sondern durch die Community. Kommentare, Bildbewertungen oder Verknüpfungen mit Wikidata eröffnen neue, plurale Sichtweisen auf Datenbestände. Darüber hinaus stehen auch die Inhalte auf dem Prüfstand beispielsweise beim Umgang mit diskriminierenden Begrifflichkeiten, die in historischen Daten oder bestehenden Metadatenstrukturen enthalten sind. Aufgabe ist, diese kritisch zu reflektieren und transparent zu kontextualisieren. Auch das Konzept der Enhanced Publications sprengt den traditionellen Rahmen wissenschaftlichen Publizierens. Forschung wird nicht mehr nur über abgeschlossene Ergebnisse wie Dissertationen sichtbar, sondern auch über Zwischenergebnisse, Forschungsdaten, Bildkorpora oder strukturierte Texte.

Antje Schmidt (Deutsches Schifffahrtsmuseum, Bremerhaven): Metadata is not neutral – Über Zwangsjacken und Datensilos und wie man sich aus ihnen befreien kann
Sonja Gasser (SKKG, Winterthur): Daten und Metadaten reflektieren: Für eine diskriminierungskritische Sammlungsdokumentation
Maria Effinger (UB Heidelberg): Das fünfte Element: Enhanced Publications als Tor zu einem neuen Level

11:00–11:30 Uhr Kaffeepause

11:30–13:00 Uhr SEKTION 2: Bilder in Wissensnetzen(Moderation: Thorsten Wübbena, IEG Mainz)
In der Sektion ‘Bilder in Wissensnetzen’ unter dem Tagungsmotto ‘Out of Frame’ diskutieren wir eine zentrale Herausforderung digitaler Bildwissenschaften, nämlich Bilder nicht nur technisch zu vernetzen, sondern ihre Kontexte, Dimensionen und Bedeutungsverschiebungen mitzudenken. 3D-Modelle, digitale Rekonstruktionen und virtuelle Umgebungen sind nicht länger bloße Abbilder, sondern dynamische, prozessuale Wissensräume, in denen Perspektive, Maßstab und Materialität variabel werden. Sie erlauben es, Objekte, Räume und historische Konstellationen nicht nur zu betrachten, sondern darin zu navigieren, sie zu manipulieren und hypothetisch zu verändern. KI-generierte Bilder stellen diese Verschiebungen weiter auf die Probe, da sie nicht auf einer referenziellen Beziehung zu einem konkreten Gegenstand beruhen, sondern aus statistischen Relationen großer Bilddatensätze hervorgehen. Sie erzeugen visuelle Evidenz ohne unmittelbares Original und destabilisieren damit etablierte Konzepte von Indexikalität, Autorschaft und Bildwahrheit. Zugleich werden sie zunehmend in wissenschaftlichen Kontexten eingesetzt und machen es notwendig, ihre Produktionsbedingungen, Trainingsdaten und impliziten Normierungen kritisch mitzudenken. In einem weiteren Zusammenhang gewinnt die Frage nach Bildähnlichkeit eine neue epistemische Brisanz. Ähnlichkeit fungiert zunehmend nicht mehr als visuell-intuitive Kategorie, sondern als rechnerisch erzeugtes Maß, das auf Merkmalsextraktion, Vektorräumen und algorithmischen Vergleichsoperationen beruht.

Marc Grellert (TU Darmstadt): Bild + Modell
Katrin Glinka (HTW Berlin): Zwischen Kontinuität und Transformation: Potenziale maschinellen Lernens in der Museumsdokumentation
Peter Bell (Universität Marburg): Kanon, Bias und kunsthistorische Datenbanken

13:00–14:00 Uhr Mittagspause

14:00–18:00 Uhr BARCAMP (Moderation: Bettina Pfleging, Universität zu Köln)

zu verschiedenen Themen, z.B. Bildrecht und LLMs (u.a. Grischka Petri (FIZ Karlsruhe), Jürgen Hermes (Universität zu Köln))

ab 18:30 Uhr Jubiläumsfeier mit Festrede von Ute Verstegen (FAU Erlangen) und Georg Hohmann (Deutsches Museum München)

2. Oktober 2026

09:30–11:00 Uhr SEKTION 3: Transformation der Wissenschaften(Moderation: Holger Simon, Bergbau-Museum Bochum)
In der Sektion ‘Transformation der Wissenschaften’ unter dem Tagungsmotto ‘Out of Frame’ verstehen wir diese Transformation als einen Prozess, der etablierte Denk-, Raum- und Wissensordnungen bewusst verlässt. Komplexe Fragestellungen lassen sich zunehmend nur noch an den Schnittstellen zu Informatik, Natur-, Sozial- und Medienwissenschaften bearbeiten. Disziplinäre Grenzen verlieren an Trennschärfe, während hybride Methoden und neue Fragestellungen im Digitalen entstehen. Insbesondere generative KI-Anwendungen fordern die Forschungspraxis und Wissensproduktion heraus. Sie verschieben die Rolle der Forschenden von alleinigen Produzent*innen hin zu Kurator*innen und Interpret*innen maschinell generierter Inhalte. Damit stehen traditionelle Vorstellungen von Autor*innenschaft, Originalität und wissenschaftlicher Expertise auf dem Prüfstand. Das gleiche gilt für die Softwareentwicklung, die durch Zuhilfenahme von KI grundlegend verändert wird. Technische Expertise, Kreativität und Kontrolle sind Aspekte, die Auseinandersetzung fordern. Programmieren wird zunehmend zu einer dialogischen, iterativen Praxis zwischen menschlichen Entwickler*innen und maschinellen Systemen. Code entsteht dabei nicht mehr ausschließlich aus intentionalem Entwurf, sondern in Aushandlungsprozessen, die Vorschläge, Korrekturen und probabilistische Entscheidungen integrieren. Auch die aktuelle Entwicklung digitaler Spiele fordert die Forschungspraxis und Wissensproduktion. Allgemein bekannte Vorstellungen von Raum, Perspektive und Kausalität werden aufgebrochen, denn digitale Spiele befassen sich inzwischen auch mit nicht-euklidischen Räumen und erweiterten Formen virtueller Realität. Diese Umgebungen eröffnen zugleich neue epistemische Zugänge: Wissen wird nicht nur beschrieben, sondern erfahrbar, begehbar und experimentell verhandelbar.

Ingmar Mundt (Weizenbaum-Institut e.V., Berlin): Generative KI in der Wissenschaft: eine neue ‘epistemic authority’
Nils Reiter (Universität zu Köln): Geschenkte Gäule und Wartungsschulden — Programmieren (lernen) mit KI
Jonas Zimmer (TH Köln): VR und nicht-euklidische Räume (Arbeitstitel)

11:00–11:30 Uhr Kaffeepause

11:30–13:00 Uhr SEKTION 4: Credibility(Moderation: Georg Schelbert, ZI München)
In der Sektion ‘Credibility’ unter dem Tagungsmotto ‘Out of Frame’ stellen wir die Frage nach Glaubwürdigkeit neu. Glaubwürdigkeit ist nicht länger eine stabile Eigenschaft von Institutionen, Objekten oder Autor*innenschaften, sondern ein relationales, technisch vermitteltes und dynamisches Gefüge. Gedächtnisinstitutionen wie Archive, Bibliotheken und Museen stehen dabei vor der Herausforderung, ihre Rolle als Garanten von Authentizität und Verlässlichkeit unter digitalen Bedingungen neu zu definieren. Digitale Objekte sind kopierbar, versionierbar und kontextabhängig; ihre Glaubwürdigkeit ergibt sich weniger aus ihrer physischen Materialität als aus Metadaten, Provenienzinformationen und institutionellen Praktiken der Auswahl, Pflege und Kontextualisierung. Digitale Signaturen und kryptografische Verfahren versprechen in diesem Zusammenhang neue Formen der technischen Absicherung bezüglich Authentizität, Integrität und Urheberschaft. Eng damit verknüpft ist die Frage der Datensouveränität. Credibility hängt zunehmend davon ab, ob Datenherkunft, Erhebungsbedingungen und Nutzungskontexte nachvollziehbar sind. In digitalen Wissensräumen wird Glaubwürdigkeit somit nicht nur durch Korrektheit, sondern auch durch Verantwortung, Teilhabe und Rechenschaftspflicht konstituiert. Wikipedia schließlich fungiert als paradigmatischer Ort dieser Verschiebungen, operiert als kollaboratives, versionsbasiertes und weitgehend nicht-institutionelles Wissensprojekt jenseits klassischer Autoritätsmodelle. Es etabliert stattdessen prozedurale Formen von Credibility durch Nachvollziehbarkeit von Änderungen, Verweispraktiken, Diskussionsseiten und community-basierten Kontrollmechanismen. Gerade in ihrer Offenheit macht Wikipedia sichtbar, dass Glaubwürdigkeit nicht vorausgesetzt, sondern fortlaufend ausgehandelt wird.

Leslie Zimmermann (Universität Mannheim): Algorithmen lügen fehlerfrei: Vertrauensfragen im Museum
Susanne Kurz (Universität zu Köln): Out of Trust? Digitale Kulturgüter im Zeitalter generativer KI
Lukas Fuchsgruber (Wikimedia Deutschland): Glaubwürdigkeit im Wikiversum: Vernetztes Wissen und Community-Engagement